RPG :: Diverses :: Rollenspiel?!?

Was ist eigentlich „Rollenspiel“?

Sie werden vermutlich in Ihrem Leben des Öfteren über den Begriff „Rollenspiel“ gestolpert sein, der dann doch wahrscheinlich mit etwas Anderem in Zusammenhang stand, als das Rollenspiel, über das ich schreiben möchte. Dies hier soll nicht über eines der Genres aus dem Bereich Computerspiele sein, noch über jenes Rollenspiel, das vielleicht einige Leser in ihrer Freizeit und trauter Zweisamkeit machen. Ich möchte über die sogenannten „Pen-and-Paper-Rollenspiele“ schreiben. Dies soll eine Hilfe für Spieler und Spielleiter sein, die verzweifelt versuchen einigen PW/OC (Person WithOut Clue) klar zu machen, was ein RPG ist.

Ein RPG ist eine Freizeitbeschäftigung wie jede andere auch. Ein RPG regt die Phantasie an, fördert bewiesenermaßen die Kommunikation, das Umgehen mit anderen Leuten, ein RPG soll vor allem allen Beteiligten Spaß machen.
In einem Rollenspiel versuchen Sie sich in eine andere, vielleicht in eine gleiche, Person hinein zu versetzen, die meist in einer imaginären Welt lebt, in der es Dinge gibt, die es heute nicht gibt. Ich denke, viele von uns haben sich schon einmal gewünscht, Zaubern zu können. Oder in einer High-Tech-Welt gegen das Böse zu Kämpfen oder ein heroischer Paladin im romantischen Mittelalter zu sein, nicht wahr, so einmal Hand auf das Herz? Warum haben sie das nicht getan? Richtig! Weil heute weder das Mittelalter noch eine High-Tech-Welt ist und es erst recht keine Magie gibt. All diese Dinge gibt es nur in unserer Phantasie. Und genau dort fangen sowohl das Rollenspiel als auch eines der Vorurteile, das von meinem Religionslehrer gerne genutzt wurde, an.
Oder anders: Sie kennen diese Situation wahrscheinlich auch. Sie gucken sich gerade einen der besten Filme an, die Sie je gesehen haben. Doch was ist das? Da tut dieser Idiot von einem „Helden“ doch etwas, das geradezu danach schreit, NICHT getan zu werden. Mein Liebling ist dabei eine Szene, wenn der Protagonist auf den Gleisen (und nicht in einem Tunnel) geradewegs einem Zug davonläuft anstatt einfach zwei Schritte zur Seite zu treten. Das ist so eine Situation, in der man die Drehbuchautoren verflucht oder selber gerne an der Stelle des Helden gewesen wäre. Wie wäre es denn, wenn Sie Ihr eigenes Drehbuch schreiben könnten?
Oder wenn Sie eine Theateraufführung machen würden. Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich solle einen Actionfilm auf der Bühne inszenieren, würde ich nervös auflachen und mich fragen warum es noch keine Holo-Projektoren für Spezialeffekte gibt. Wie wäre es, wenn man die Effekte vom Kino mit der Improvisation des Theaters, mit dem Teamplay von Fußball und mit der Freiheit der Phantasie verbinden könnte?
Genau dieses versucht und schafft das Rollenspiel in meinen Augen. Eine Gruppe von Leuten setzt sich zusammen und schreibt einen Film. Nein, nicht schreibt, sie improvisiert einen Film.

Vermutlich haben Sie auch schon einmal ein Fantasy-Roman oder auch Science-Fiction gelesen. Es genügt an und für sich, wenn Sie einen fesselnden Roman gelesen haben. Wer von uns hat sich bei so etwas denn nicht vorgestellt, wie es wäre, wenn man selbst der Protagonist wäre? Oder auch der Antagonist? Held oder Bösewicht spielt keine Rolle. Genauso wenig, wie es das ultimativ Gute oder das ultimativ Schlechte/Böse gibt. Es ist egal. In unserer Phantasie können wir sein, wer und was wir wollen.
Doch in unserer Phantasie sind wir allein. Gut, wir können uns denken, dass jemand anderes dabei ist und einmal das Gefühl absoluter Macht über alles (in der Phantasie) zu haben, aber mal ehrlich: das wird doch auch irgendwann langweilig, oder?
Es wäre ja genial, wenn wir nicht nur einmal zaubern/decken/riggen/Leute umnieten/Held oder Ganz normal sein/usw. könnten, sondern auch mit anderen Zauberern/Deckern/Riggern/Leuteumnietern/Helden oder ganz Normalen/usw. zusammen ein Abenteuer bestreiten könnten. Genau dort setzt das Rollenspiel an.
Das Rollenspiel setzt nur einen groben Rahmen fest, in dem Alles ablaufen soll, damit es allen gleich viel Spaß macht. Es ist ja toll, wenn wir in unserer Phantasie einfach mit dem Finger schnippen und unser Erzfeind löst sich in Luft auf, aber wenn wir mit dem Finger schnippen, und der imaginäre Held unser Mitstreiter löst sich in Luft auf, mag uns in diesem Moment vielleicht (Wenngleich ein eher kleines vielleicht. Winzig geradezu.) ganz nützlich sein, aber dem Mitstreiter nicht. Außerdem ist es auch ganz nett, wenn manchmal Andere die Pläne entwickeln und auch Dinge tun, auf die man Selbst nicht kommt. Das bereichert ein Spiel sehr, denn wenn ich eh alles selbst mache, kann ich ja gleich alleine spielen. Außerdem bietet es einen nicht zu verachtenden Reiz, nicht zu wissen, was als nächstes passiert. Es birgt vielleicht mehr Gefahren für unseren „imaginären Held“, aber ich finde Spiele im allgemeinen ein wenig langweilig, wenn ich von allem weiß, was passiert. Sie würden sich ja auch nicht jeden Kinofilm fünf mal oder so ansehen (zumindest nicht alle).
Doch trotz aller Phantasie hält sich ein Rollenspiel zum Großteil eigentlich immer an die reale Welt, mit all seiner Physik, Biologie und dem Rest. Es gibt eben nur MEHR in den Rollenspiel-Welten. Obwohl es in den Fantasy-RPGs Magie gibt, fallen die Dinge nach unten, ist die Gesellschaft so, wie sie sich die Romantiker vorstellten, oder auch, wie sie WIRKLICH war. Wenn man in einer Science-Fiction-Welt einen waffenstrotzenden Techno-Ritter spielt, wird der wahrscheinlich trotz all seiner Waffen keiner wohlplatzierten Kugel standhalten können. So würde es auch in unserer Welt ablaufen. Außerdem spielen wir keine allmächtigen Götter, die alles können. Nein, wir spielen im Prinzip ganz normale Menschen, die nur etwas mehr können, aber wie wir, auch ihre Schwächen haben. (Manchmal sind es auch z.B. die Tolkien'schen Fabelwesen oder auch etwas „modernere“ Fantasiewesen. Lieblingsbeispiele: Elfen, Zwerge, Orks, Trolle, Halblinge / Gnome / Hobbits / ... – Alles ist möglich. Es ist unsere Phantasie.) Das Regelsystem bietet eine Skala, an der man misst, wie gut oder schlecht ein Protagonist eines Spielers in den Bereichen des Lebens, in seinen Fertigkeiten oder Fähigkeiten, bewandert ist, damit man auch vergleichen kann, wie sich die Charaktere unterscheiden.

Natürlich könnte man jemanden Spielen, der keine besondere Eigenschaft hat, der durch und durch mundan ist, aber wer will jemanden sehen, der nichts Besonderes leistet? Oder können sie sich vorstellen, das actionreiche, abenteuerreiche Leben des Finanzkaufmannes Hubert K. zu leben? Oder einmal die atemberaubende Montiergeschwindigkeit eines Fließbandarbeiters erleben? Versprüht den Charme eines Binomialkoeffizienten, nicht wahr? (Dabei sei gesagt, daß ich sehr froh bin, daß es Finanzkaufmänner und Fließbandarbeiter gibt. Ohne sie wären die Welt sehr anders – vermutlich gäbe es dann nichteinmal Computer in der Form und man könnte diesen Text nicht lesen. Nichts desto minder – wenn ich einmal meine Phantasie wild laufen lasse, ziehe ich andere Rollen vor.)

Für diejenigen Leser, die schon mal etwas von „diesen komischen 'Rollenspielen'“ gehört haben, oder auch dabei waren, stellt sich vermutlich eine Frage: „Warum haben diese Junkies dann dauernd Beutel voller unterschiedlichseitiger Würfel dabei?“ Antwort folgt.
Ein Spiel, in dem Alles vorherbestimmt ist, macht keinen Spaß. Es ist so interessant wie Kaffesatzlesen bei einem Teetrinker. In jedem Spiel ist der Zufall maßgeblich beteiligt. In einigen mehr, in anderen weniger. Glauben Sie nicht? Ich bin bereit, das hier sofort zu Ändern, wenn Sie mir auch nur EIN Spiel nennen können, in dem der Zufall keine Rolle spielt. (Nettes Wortspiel, nicht wahr?) Schach zählt nicht. Wir wissen zwar, was wir tun und können anhand der gegnerischen Züge einige weitere vorherbestimmen, aber da der Gegner das auch kann, wird er sich meistens etwas anderes einfallen lassen, demnach ist auch dort ein bestimmter Anteil Ungewissheit mit enthalten.

Also bleibt es mal wieder an dem Rollenspielsystem, ein einigermaßen adäquates System zur Simulation von Zufall beizusteuern. Sehr gut haben sich Würfel dabei geschlagen, aus offensichtlichen Gründen, wie sie z.B. zufällig, preiswert, klein, leicht, überallhinmitnehmbar, beinahe überall verfügbar sind. Ach ja, und außerdem sind sie faire Zufallsermittler. Das einzige, was dann wirklich noch am System hängen bleibt, ist, wie die Würfel dazu eingesetzt werden. Dies erfolgt, in dem man „Proben“ auf „Fertigkeiten“ und „Attribute“ ablegt. Das heißt, im Allgemeinen nimmt man so viele Würfel wie der Wert des „Attributes“ oder der „Fertigkeit“ und wirft sie. (Zumindest oft. An anderer Stelle habe ich elaboriert, was es noch für möglichkeiten gibt.) Viele Rollenspieler sagen etwas in der Art wie „Mach mal Konsti gegen 4!“ oder Ähnliches. Damit ist eine Probe gemeint, die mir dem Attribut „Konsti“ (= „Konstitution“) abgelegt wird. „Gegen 4“ meint damit, dass der Mindestwurf für diese Probe „4“ ist. Das heißt: Alle Würfel, bei denen eine Vier oder mehr geworfen wurde, zählen als ein „Erfolg“. Die Anzahl der Erfolge bestimmt meistens den Effekt von etwas, da Proben meist nicht Grundlos abgelegt werden. Zum Beispiel könnte der Spielleiter von den Spielern eine Wahrnehmung(4)-Probe (d.H. Mit dem Attribut/der Fertigkeit Wahrnehmung gegen 4) verlangen, um einen bestimmten Gegenstand zu entdecken oder eine Athletikprobe zum laufen oder klettern.
Hier sei ein kleines Beispiel in Form einer Spielsituation eingefügt: Die Spieler liefen gerade gemütlich durch den Wald, doch hinter der nächsten Wegbiegung wartet eine Gruppe von Straßendieben nur darauf, die Gruppe zum Frühstück zu verspeisen. Der SL möchte den Spielern noch eine Chance geben, und lässt die Spieler eine Wahrnehmung(4)-Probe Würfeln. Also nehmen die Spieler so viele Würfel, wie auf dem Charakterbogen bei Wahrnehmung steht und werfen sie. Die Spieler erhalten dabei folgende Erfolge: 4,3,2,2,1. Das könnte heißen, dass Spieler Nummer 5 (mit 1 Erfolg) fröhlich pfeifend um die Biegung gehen würde, Spieler 3 und 4 (mit je 2 Erfolgen) ein komisches Gefühl kriegen würden, aber dennoch weitergehen, dass Spieler 2 (mit 3 Erfolgen) jemanden auf sie warten sieht, und dass Spieler 1 mit 4 Erfolgen noch vor der Kurve feststellt, dass dort etwa 4 Leute sich hinter irgendwelchen Büschen verstecken und wohlmöglich bewaffnet sind.

Ein alternatives System basiert darauf, dass man nur einen Würfel nimmt, meist mit vielen Seiten, und versucht einen bestimmten Wert (den Mindestwurf) zu über- ode runtertreffen und das zugehörige Attribut / die zugehörige Fertigkeit modifiziert den eigenen Wurf.